MONUMENT


Man kennt den Effekt von Promi-Selfie-Fails: Wenn etwa Taillen schon mal derart schlank geschummelt werden, dass der Türrahmen daneben vor lauter Bildbearbeitung gleich auch verformt wird. «Verflüssigen» heisst – ziemlich selbsterklärend – der entsprechende Photoshop-Filter. Auch Andrin Winteler benutzt ihn – und macht sich mit diesem Tool die Welt so, wie sie ihm gefällt. Für seine Arbeit «MONUMENT» fotografierte er einschlägige Attraktionen in Nationalparks an der Westküste der USA, Gesteinsformationen und Landschaften, Touristenführer abgesegnete Hotspots mit ihren ausgeleierten, millionenfach verbreiteten Sujets. Winteler verflüssigt diese Klischees, arrangiert die Bilder neu: Aus Felsen werden wuchernde Riesenboviste, und wo die Natur zu dumm war, klare Formen zu kreieren, schob der Fotograf am Bildschirm solange zurecht, bis ein natürlicher Durchgang im Gestein kreisrund war oder willkürlich gezackte Berge endlich klare Konturen und Winkel hatten. Geschnitten oder hineinkopiert hat Winteler dabei nichts, sämtliche Verfremdungseffekte entstanden durch die Verschiebung von Pixeln. Mit den unvermeidlichen Kollateralschäden: Aus der zackig klarer definierten Linienführung einer Lost Highway durch die Steppe resultieren Mittelstreifen, die aussehen, als hätte ein Strassenbauer auf Crystal Meth sie hingepinselt.
Text: Jürg Odermatt